Vortragsreihe "Energiewirtschaft im Ruhrgebiet"

Noch vor 200 Jahren standen den Menschen nur wenige Energiequellen zur Verfügung. Feuerholz, menschliche und tierische Muskelkraft sowie Wind- und Wasserkraft – das waren die energetischen Grundlagen der vorindustriellen Gesellschaft. Mit der industriellen Revolution begann das Zeitalter der Nutzung fossiler Brennstoffe. Zum bestimmenden Primärenergieträger wurde die Steinkohle. Weitere fossile Brennstoffe wie die Braunkohle, Erdöl und Erdgas kamen später hinzu. Seit dem Zweiten Weltkrieg spielt die Kernenergie eine große Rolle bei der Energieversorgung. Eine wachsende Bedeutung haben heute die erneuerbaren Energien. Die Primärenergieträger werden zumeist zu Sekundärenergieträgern „veredelt“. Aus Rohöl wird in Raffinerien Benzin oder Heizöl, aus Kohle oder Wasserkraft in Kraftwerken elektrische Energie. Für die unterschiedlichen Energieträger entwickelte man jeweils spezifische Verteilungssysteme, etwa Pipelines für Öl und Gas. Bis der Verbraucher Energie nutzen kann, hat diese bereits mehrere Bearbeitungsstufen durchlaufen und weite Transportwege zurückgelegt. Die Vortragsreihe widmet sich der historischen Entwicklung der Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Energie. Vorgestellt werden die dazu notwendigen technischen Einrichtungen, aber auch die Akteure: von den Unternehmen der Energiewirtschaft bis hin zum Endverbraucher. Die Vorträge finden statt im Umspannwerk Recklinghausen – Museum Strom und Leben. Die Reihe ist Ergebnis einer Kooperation des Museums mit dem Forum Geschichtskultur Ruhr und den Volkshochschulen Recklinghausen und Herne. Der Eintritt ist frei.

 

Donnerstag, 12.1.2012, 19:00 Uhr

Michael A. Kanther: Die westdeutsche Gas-Fernversorgung von den Anfängen bis zur Umstellung von Kokerei- auf Erdgas, 1910-1966

Das bei der Kokserzeugung anfallende Kokereigas wurde, soweit es sich nicht als Energieträger in den Eisen- und Stahlwerken einsetzen ließ, zunächst als Abfallprodukt angesehen. Erst im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg kam der Gedanke auf, das überschüssige Kokereigas über Fernleitungen kommunalen Gaswerken und konzernfremden Industriebetrieben zuzuführen und so zu verwerten. Der Vortrag beschreibt den Aufbau eines Fernleitungssystems durch die Unternehmen Thyssengas (seit 1910) und Ruhrgas (seit 1926), das der Versorgung weiter Teile Westdeutschlands mit Überschussgasen aus den Kokereien des Ruhrgebietes und – bei Thyssengas – auch des Aachener Kohlenreviers diente. Die 1960er Jahre brachten dann die Umstellung von Kokereigas auf das bis heute genutzte Erdgas.

Dr. Michael A. Kanther ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs Duisburg.

 

Donnerstag, 26.1.2012, 19:00 Uhr

Karin Dahm-Zeppenfeld: Die Elektrizität auf der Düsseldorfer Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung 1902

Der Vortrag stellt die Düsseldorfer „Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung“ vor, auf der vom 1. Mai bis 20. Oktober 1902 die neuesten Errungenschaften der Technik präsentiert wurden. Auf dem Gebiet der Elektrizität waren seit der letzten regionalen Gewerbeausstellung von 1880 zahlreiche Innovationen erfolgt. Neben dem Bergbau, der Hüttenindustrie und dem Maschinenwesen drückte daher die Elektrotechnik der Ausstellung ihren Stempel auf. Viele Maschinen und Aggregate wurden zu Vorführzwecken elektrisch betrieben. Aber auch für die Illumination der Außenanlagen, der Ausstellungspavillons, Vergnügungsorte und anderer Attraktionen wurde Elektrizität benötigt. Es war eine besondere Herausforderung, Kraft und Licht für all diese Ansprüche bereitzustellen.

Karin Dahm-Zeppenfeld, M.A., ist freischaffende Kunsthistorikerin und Historikerin

 

Donnerstag, 23.2.2012, 19:00 Uhr

Michael Farrenkopf: Das Jahrhundert der Kohle. Die Ruhrkohle in der deutschen Energiewirtschaft

Der Zeitraum von etwa 1850 bis um 1950 lässt sich aus energiewirtschaftlicher Sicht als „Jahrhundert der Steinkohle“ bezeichnen. Als energetische Basis und Motor der Industrialisierung sowie als knapper Rohstoff während und nach den Weltkriegen war sie unangefochten der Energieträger Nummer eins in Deutschland. Infolge der Kohlenkrise ab 1958 wandelte sie sich zum subventionierten Sorgenkind des Ruhrgebiets. Der Vortrag verfolgt die Bedeutung der Steinkohle in den einzelnen Verwendungsbereichen sowie ihren sektoral unterschiedlichen Ersatz durch alternative Energieträger in den letzten Jahrzehnten.

Dr. Michael Farrenkopf ist Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums beim Deutschen Bergbau-Museum Bochum

 

Donnerstag, 8.3.2012, 19:00 Uhr

Dietmar Bleidick: Kraftstoffwirtschaft im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet gehört zu den großen Zentren der deutschen Energieproduktion und -distribution. Zur Steinkohlenförderung traten um die Wende zum 20. Jahrhundert verstärkt die Bereiche Kohleveredelung, Kohlechemie und Elektrizitätserzeugung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Schwerpunkte sukzessive durch die neuen Energieträger Erdöl und Erdgas sowie die auf ihnen basierende Petrochemie ersetzt. Der Vortrag zeichnet die grundlegenden Entwicklungslinien der Kraftstoffwirtschaft des Ruhrgebiets nach und stellt die wichtigsten Unternehmen vor. Der Schwerpunkt liegt auf den flüssigen Kraftstoffen für den Straßenverkehr. Im Vordergrund der Betrachtung stehen Benzol und Benzin als bedeutendste Produkte der Branche.

Dr. Dietmar Bleidick ist Historiker und Publizist sowie Leiter des Historischen Archivs BP/Aral.